Mitarbeiter verursacht Schaden Wer zahlt

Schäden, verursacht durch Mitarbeitende: Haftungsrisiken richtig einschätzen und absichern

Last Updated: 22. November 2025By

Fehler im Arbeitsalltag lassen sich trotz klarer Strukturen, sorgfältiger Einarbeitung und moderner Technik nicht vollständig vermeiden. Beispielsweise ein Mitarbeiter verursacht einen Schaden. Wer zahlt? Ob beschädigte Geräte, falsche Buchungen oder ein Unfall mit dem Firmenwagen: Die Frage nach der Haftung entsteht sofort, sobald ein finanzieller Schaden entsteht. Für Unternehmen ist es entscheidend, rechtlich und versicherungstechnisch vorbereitet zu sein.

Grundprinzipien der Arbeitnehmerhaftung

Im deutschen Arbeitsrecht gilt das Prinzip der beschränkten Arbeitnehmerhaftung. Es besagt, dass Mitarbeitende für Schäden im Rahmen ihrer Tätigkeit nur eingeschränkt haften. Wichtig ist, in welchem Maß ein Fehlverhalten vorliegt und ob der Schaden im betrieblichen Zusammenhang entstanden ist.

Die Rechtsprechung unterscheidet drei Stufen:

  • Leichte Fahrlässigkeit: Der Schaden ist durch ein alltägliches Versehen entstanden. In solchen Fällen trägt das Unternehmen die Kosten vollständig.
  • Mittlere Fahrlässigkeit: Hier liegt ein deutlicher Sorgfaltsverstoß vor. Die Haftung wird zwischen Mitarbeitendem und Arbeitgeber anteilig aufgeteilt.
  • Grobe Fahrlässigkeit (Vorsatz): Wenn Mitarbeitende bewusst oder gravierend unachtsam handeln, haften sie in der Regel selbst.

Die Rolle des Unternehmens

Betriebe tragen zunächst eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden. Dazu gehört, sie vor unzumutbaren Haftungsrisiken zu schützen. Gleichzeitig liegt es im Interesse jedes Unternehmens, interne Abläufe und Verantwortlichkeiten klar zu regeln.

Wichtig sind daher:

  • klare Arbeitsanweisungen und dokumentierte Zuständigkeiten
  • regelmäßige Schulungen für sicherheitsrelevante Tätigkeiten
  • transparente Kommunikation über Risiken und Verhaltensrichtlinien

Versicherungstechnische Absicherung

Eine gute Versicherungsstrategie kann finanzielle Risiken deutlich mindern. Die Betriebshaftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die im Rahmen betrieblicher Tätigkeiten entstehen und Dritte betreffen. Sie schützt das Unternehmen, nicht jedoch automatisch den einzelnen Mitarbeitenden.

Für ganz bestimmte Schadensarten, zum Beispiel bei Dienstfahrten, wäre zusätzlich eine Fahrzeugvollversicherung oder eine Dienstreisekaskoversicherung sinnvoll. Sie verhindert, dass bei einem Unfall hohe Eigenkosten entstehen.

Ergänzend kann eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung greifen, wenn durch einen Fehler finanzielle Nachteile entstehen, beispielsweise durch eine falsche Berechnung oder eine versehentlich versäumte Frist. Einige Versicherer (darunter auch Anbieter wie Allianz) bieten spezielle Policen für betriebliche Risiken an, die sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer absichern können.

Faire Lösungen finden

Wenn es dann doch einmal zu einem Schaden kommt, sollte das Unternehmen immer sachlich und ohne vorschnelle Schuldzuweisungen reagieren. Eine interne Untersuchung klärt, ob tatsächlich eine Pflichtverletzung vorliegt und in welchem Umfang Mitarbeitende beteiligt sind.

Ein geregeltes Verfahren ist in solchen Fällen immer wichtig. Dazu zählen:

  1. Schadenserfassung und Dokumentation: Zeitpunkt, Ursache und Beteiligte festhalten.
  2. Prüfung der Haftung: Einschätzung nach dem Grad der Fahrlässigkeit.
  3. Gespräch mit dem Mitarbeitenden: Faire Anhörung, um Sichtweisen zu verstehen.
  4. Abwägung der Kostenverteilung unter Berücksichtigung sozialer und wirtschaftlicher Faktoren.

So kann man zur Vorbeugung beitragen

Reaktive Schadensregulierung ist aufwändig. Nachhaltiger ist es, Risiken präventiv zu managen. Regelmäßige Sicherheitsunterweisungen, klare Prozessabläufe und ein betriebliches Vorschlagswesen reduzieren Fehlhandlungen. Auch eine offene Fehlerkultur trägt dazu bei, Ursachen frühzeitig zu erkennen und daraus zu lernen.

Führungskräfte sollten stets dazu ermutigen, Missstände anzusprechen, bevor daraus Schäden entstehen. Eine Atmosphäre, in der Fehler analysiert statt vertuscht werden, stärkt die Lernfähigkeit der Organisation.

Schäden durch Mitarbeitende sind wohl oder übel Teil der betrieblichen Realität. Wichtig ist dabei immer der professionelle Umgang damit. Unternehmen, die rechtliche Rahmenbedingungen kennen, Haftungsfragen transparent regeln und versicherungstechnisch vorausschauend handeln, schützen sich und ihre Beschäftigten gleichermaßen.

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Verantwortung und Absicherung schafft Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist die Basis für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.